Feuerspucken – gefährliches Spiel

Feuerspucken ist ein gefährliches Spiel mit dem eigenen Leben. Viele Menschen, die das Feuerspucken lernen möchten, denken, wer Feuerspeien kann, der hat Macht über das Feuer. Doch die Macht über das Feuer hat auch ihren Preis – dieser ist manchmal das eigene Leben.

In meiner langjährigen Tätigkeit als hauptberuflicher Feuerkünstler werde ich immer wieder als Feuerspucker oder Feuerschlucker bezeichnet. Unzählige Male habe ich schon diese eine Frage vor der Show gehört: „Sie spucken doch auch Feuer?“

Funkenfinale mit Flammensäulen
Das Feuerspucken übernehmen in meinen Shows meine zwei Flammenprojektoren für mich

Auf meine darauffolgende kurze Antwort (NEIN) kommt immer ein Oh … und es folgen enttäuschte Gesichter. Zu meiner Ehrenrettung muss ich sagen, dass davon nach Ende meiner Vorstellung hiervon nichts mehr zu sehen oder gar zu hören ist. Im Gegenteil bekomme ich immer sehr positive Rückmeldungen nach meinen Shows. Ein Grund dafür ist, dass die Zuschauer bei mir auf diesen Effekt trotzdem nicht verzichten müssen, denn in meinen Feuershows übernehmen zwei zur Musik synchronisierten Flammenprojektoren diese Aufgabe.

Aber warum spucke ich denn nun kein Feuer?

Für diese etwas ausführlichere Antwort versuche ich erstmal zu erklären, was Feuerspucken ist, welche Materialien verwendet werden und vor allem welche Gefahren lauern.

Was ist Feuerspucken?

Der Akt des Feuerspuckens ist das Ergebnis der Verwendung des Zwerchfells, um Luft aus den Lungen zu drücken, und der anschließenden Verwendung der Zunge und der Lippen, um den Luftstrom nach außen und über eine offene Flamme zu lenken. Die Flamme entzündet den Brennstoff, der vorher im Mund gesammelt wurde, im Luftstrom und erzeugt so einen Feuerball.

Was wird verwendet, um Feuer zu spucken?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen flüssigen und pulverförmigen Brennstoffen. Manche Darsteller die Feuer speien verwenden Lampenöl, manche Bärlappsporen und wieder andere Mehl. Jeder Stoff hat seine eigenen Gefahren und Eigenschaften. Lampenöl ist sehr gefährlich, wenn es z. B. verschluckt wird, aber es erzeugt eine helle Flamme, die auch aus der Ferne sichtbar ist. Bärlappsporen sind erstmal nicht brennbar, können aber auch Atemprobleme verursachen, wenn sie eingeatmet werden, und sie erzeugen eine rauchige Flamme, die bei Tageslicht schwer zu sehen ist. Mehl ist ebenfalls erstmal nicht brennbar, kann jedoch auch beim Einatmen schwere und bleibende Atemprobleme verursachen und erzeugt eine sehr kleine Flamme, die auch in völliger Dunkelheit nur schwer zu sehen ist.

1. Pyrofluid, Paraffin oder hochgereinigtes Lampenöl

Pyrofluid bzw. Lampenöl sind dünne Flüssigkeiten auf Kohlenwasserstoffbasis, welche oft auch als hochgereinigtes Petroleum bezeichnet werden. Wenn diese in der Luft zerstäubten Flüssigkeiten gezündet werden, wird eine Menge Hitze frei und große Flammen erzeugt. Die Reaktion, die im Zusammenspiel von Luft und gespucktem Pyrofluid stattfindet, führt dazu, dass die Flamme sehr heiß wird, was es zum perfekten Brennstoff für die Erzeugung von großen Flammen macht.

Gefahr einer schweren Lungenentzündung und bleibende Lungenschäden – mitunter führen diese Verletzungen manchmal auch zum Tod.

2. Lycopodium (Bärlappsporen)

Lycopodium ist ein Pulver, welches entzündet wird, indem es zum Anzünden über eine brennende Fackel gespuckt wird, um einen sehr heißen Feuerball zu erzeugen. Das Pulver wird aus den Sporen des Bärlapps hergestellt, einer kleinen, nicht blühenden Pflanze, die in feuchten Umgebungen wächst.  

Auch hier ist die Gefahr einer schweren Lungenentzündung sowie bleibende Lungenschäden und auch ein möglicher Tod gegeben.

Lungenentzündung

Eine Lungenentzündung ist eine Infektion der Lunge, die am häufigsten nach einer Erkältung oder Grippe auftritt. Die Infektion führt zu Entzündungen und Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge, die das Atmen erschweren. Zu den Symptomen einer Lungenentzündung gehören Husten, Brustschmerzen, Kurzatmigkeit, schnelles Atmen, Schwitzen und Fieber. Eine leichte Lungenentzündung kann mit Antibiotika, Ruhe und Flüssigkeit behandelt werden.

Lampenöl – Pneumonie ist eine Form der Lungenentzündung, die durch das Verschlucken von Lampenöl verursacht werden kann. Die Flüssigkeit breitet sich über die feinsten Lungenbläschen aus, die zu einer Lungenentzündung sowie bleibenden Lungenschäden führen können. Die Behandlung umfasst typischerweise Antibiotika, eine Sauerstofftherapie und mechanische Beatmung.

Eine schwere Lungenentzündung, durch Lampenöle oder Pyrofluide ausgelöst, ist eine ernste Erkrankung und kann tödlich sein. 

Welche Mittel sind zum Feuerspucken absolut nicht geeignet?

Mit Alkohol, Spiritus, Wundbenzin oder flüssige Grillanzünder sollten sie unter keinen Umständen Feuer spucken. Grund dafür ist ihr niedriger Flammpunkt, da sie sich zu schnell und stark entzünden. Besonders Wundspiritus und Alkohol sind sehr gefährlich. Beide lassen sich bei Temperaturen zwischen etwa 20 °C und 45 °C entzünden und explodieren mit einem großen Feuerball, der zudem zurückschlägt. Durch diese explosionsartig Verbrennung, entzündet sich der Mundinnenraum, Gesicht, Haare und Kleidung des Akteurs und führen zu lebensgefährlichen Verbrennungen.

Flüssige Grillanzünder enthalten zusätzlich giftige Chemikalien, damit sie schnell brennen und geruchs-, farb- und rußfrei sind.

Feuerspucken für Kinder

Ein absolutes NOGO und meiner Meinung nach unverantwortlich. Oft werden sogenannte Drachenzungen schon in Workshops für Kinder angeboten.

Feuerspucken ist eine gefährliche Aktivität für Kinder. Darüber hinaus gab es eine Reihe von tödlichen Unfällen mit Kindern und Feuerspucken. Aus diesen Gründen halte ich es für unverantwortlich, wenn Eltern ihren Kindern erlauben, sich an dieser Betätigung zu beteiligen.

Unabhängig von dem verwendeten Brennstoff – Feuerspucken ist keine sichere Handlung für Kinder, und ich empfehle Eltern nicht, ihre Kinder an dieser Aktivität teilnehmen zu lassen!!!

Quellen und weiterführende Artikel:

Wikipedia Artikel zum Thema

Dr. Jana Zimmermann – Wissenschaftliche Arbeit über das Thema und die Gefahren

BgVV warnt ausdrücklich vor dem leichtfertigen Umgang mit Flüssigbrennstoffen für artistische Zwecke.